Dummytraining

Was später in der Jagd oder beim sportlichen Workingtest verlangt wird, muss natürlich trainiert werden. Dabei lassen sich die teils recht komplexen Aufgaben in einfache Abschnitte unterteilen, die einzeln trainiert und später zusammengesetzt werden können.

Im Prinzip lässt sich das Dummytraining in drei große Abschnitte unterteilen: Das Markieren, das Einweisen und die Verlorensuche.

Markieren

Hierbei geht es darum, dass das Gespann sieht wie ein Dummy fällt. Dabei kann eingeschätzt werden, wo sich die Fallstelle ungefähr befindet. Der Hund wird dann geschickt, um das Dummy zu holen. Was sich zunächst einfach anhört, ist komplexer als man denkt. Zudem kann es zusätzlich variiert werden, was den Schwierigkeitsgrad nochmals erhöht.

Im richtigen Moment muss der Hund zum Dummy ausgerichtet sein, damit er die Chance hat, das Dummy beim Fall zu sehen und markieren zu können. Im Fach Appell kann es beispielsweise sein, dass der Schuss fällt, während das Gespann mit dem Rücken zum Schützen und Werfer steht. Zügig müssen sich beide neu ausrichten. Damit das funktioniert, sind Fußarbeit und eine gute Grundposition sehr wichtig.

Während das Dummy fällt, soll der Hund natürlich nicht durchstarten, sondern erst auf die Freigabe durch den Hundeführer warten. Hier ist Steadiness gefragt. Man sieht also, noch bevor es zum Dummy geht, sind schon mehrere Einzelschritte notwendig, die einwandfrei funktionieren müssen.

Nach dem Senden muss der Hund in möglichst gerader Linie und zügig zum Dummy gehen. Dort angekommen muss er das Dummy zügig finden, ohne viel Gelände zu beunruhigen. Je genauer der Hund markiert hat, umso besser wird er die Fallstelle finden. Zum einen mit seinen Augen und seiner Fähigkeit die Entfernung einzuschätzen, zum anderen mit der Nase, um im Zielgebiet das Dummy zu finden. Dann geht es zügig in direkter Linie zurück und es erfolgt die Abgabe.

Fußarbeit, Grundposition, Steadiness, Konzentration, Markieren, Merken, Rausgehen, Suche, Reinkommen, Abgabe … alles Teilschritte während einer einfachen Markierung, die (meist) einzeln geübt werden können, um sie später zusammenzufügen.

Wenn diese Schritte schon bei der vermeintlich einfachen Markierung nicht funktionieren, werden sich die Probleme bei Variationen potenzieren. Verspätetes Schicken, Schicken von anderer Stelle, Doppel- und Mehrfachmarkierung, weitere Entfernungen, Wurf nicht komplett sichtbar, Geländewechsel, Verleitung … so eine Markierung kann ganz schön kompliziert werden 🙂

Einweisen

Beim Einweisen geht der Hundeführer davon aus, dass der Hund nicht weiß wo das Dummy liegt. Es liegt also am Zweibeiner, seinen Kollegen vernünftig einzuweisen, damit das Dummy gefunden werden kann.

Die einfachste Form ist das Schicken in gerader Linie. Wobei das nicht bedeutet, dass es einfach ist! Den Hund dazu zu bringen, dass er in gerader Linie auf ein entferntes Dummy läuft, ist viel Arbeit. Während man die Grundlagen mit einer Futterschüssel in kurzer Distanz und dem Voran-Befehl recht schnell legen kann, wird das Schicken auf ein Blind (der Hund hat überhaupt nichts gesehen) über hundert Meter mit Geländewechseln monatelange Arbeit voraussetzen.

Dazu kommen noch die anderen Möglichkeiten des Einweisens. Dann nämlich, wenn der Hund in der Entfernung steht und an der falschen Stelle sucht. Dann möchte man ihn an die richtige Stelle dirigieren. Dazu bringt man ihn zunächst mit einem Stopp-Pfiff dazu stehen zu bleiben und aufmerksam zu schauen. Dann kann man ihn mit visuellen und akkustischen Kommandos weiter in die Tiefe, nach links oder rechts oder auch schräg schicken.

Gerade bei diesen Dingen ist es meiner Meinung nach wichtig, diese einzeln zu trainieren, bis sie wirklich gefestigt sind und erst später zusammenzusetzen. Kurz und prägnant sollte der Hundeführer die Kommandos geben und sich der Hund leiten lassen. Stattdessen sehe ich oft, Areobic-Übungen und große Fragezeichen über dem Hundekopf. Ich denke, das kommt meist daher, dass viele bereits nach kurzer Übungszeit meinen, ihr Hund hätte die Einweise-Kommandos schon verinnerlicht und zu schnell in der Praxis einsetzen. Die Komplexität auf der Entfernung und in Zusammenspiel mit den anderen Kommandos steigt allerdings hoch an und überfordert den Hund recht schnell. Hier ist einfach viel Geduld angesagt, bis man der Hund das Einweisen wirklich beherrscht.

Verlorensuche

Die Verlorensuche ist wohl der unspektakulärste Teil der Dummyarbeit. Der Hund wird mit einem Kommando ins Suchgebiet geschickt und kommt irgendwann mit dem Objekt der Begierde wieder raus. Aber das täuscht, denn eigentlich ist das der spannendste Teil.

Für den Hund der absoluter Höhepunkt. Hier kann er sein ganzes Können aufbieten und seiner eigentlichen Passion nachgehen, nämlich selbständig zu arbeiten. Und für mich als Hundeführer ist es total faszinierend zu sehen, wie die Hunde in einem großen und für mich völlig unübersichtlichen Gebiet diese kleinen Dummies finden.

Der Hund bringt zwar die besten Voraussetzungen mit, trotzdem muss Nasenleistung trainiert werden. Im Unterschied zu den anderen Teilbereichen, gibt es hier keine Einzelschritte. Der Hund wird ins Suchgebiet geschickt und die Suche wird er selbständig erlernen. Geschwindigkeit, Stil, Systematik, diese Dinge gibt hierbei der Hund vor und der Hundeführer hat keinerlei Einfluss darauf.

Trotzdem führt man den Hund natürlich langsam an die Aufgabe heran. Mit Leckerchen  bei einer gemeinsamen Suche auf einem sehr kleinen Raum wird begonnen. Dann werden es Dummies, die immer kreativer versteckt werden, manchmal auch in der Höhe und das Suchgebiet wird größer und unübersichtlicher. Als Trainer setzt man den Schwierigkeitsgrad mit dem Gelände und den Suchobjekten.

Training

Die Übungen sollten immer so gewählt sein, dass sie lösbar sind. Natürlich kann auch eine Übung mal nicht funktionieren. Dann sollte der Trainer dem Hund helfen, damit dieser zum Erfolg kommt und lernt, wie er die Aufgabe das nächste Mal lösen kann. Übungen, bei denen man von vornherein weiß, dass sie nicht funktionieren, weil der Hund sie nicht selbständig nicht lösen kann, sollten vermieden werden. Solche Frustübungen sind eher schadhaft statt nützlich.

Auch sollten die Übungen immer ein Ziel haben. Einfach nur grüne Säckchen in der Gegend rumzuwerfen, das kann jeder. Man sollte schon wissen, was man mit bestimmten Übungen erreichen möchte. Und dabei sollte man die Übungen immer schön einfach halten. Komplexität kommt durch die sich ständig änderndenden Bedingungen von ganz alleine: Gelände, Temperatur, Wind, Tagesform, etc.

Und auch hier gilt, dass Übung den Meister macht. Je öfter und hochwertiger man trainiert, umso besser wird das Ergebnis sein. Intensiv und stundenlang sollte es nicht sein, das schlägt schnell ins Gegenteil um. Ich persönlich habe für mich ein paar Regeln aufgestellt, nach denen ich trainiere:

  • Spaß: Der ist ganz wichtig dabei. Eine Trainingseinheit wird immer positiv beendet. Wenn es am schönsten ist, höre ich auf. Der Hund soll das gute Gefühl mitnehmen und sich auf das nächste Training freuen.
  • Basis: Die Basis wird immer mittrainiert. Mal als separate Übungen, mal in das Dummytraining integriert. Ich gehe ohnehin täglich mit dem Hund spazieren, warum also nicht 1-3 Minuten bei jedem Spaziergang für die Basis verwenden?
  • Gruppe: Beim Einzeltraining kann man sich sehr gut auf den Hund, auf bestimmte Ziele und Probleme konzentrieren. Doch das Arbeiten mit anderen Hunden zusammen ist anders. Gerade im Hinblick auf Workingtests, halte ich das Gruppentraining für sehr wichtig.
  • Abwechslung: Ich trainiere in allen Teilbereichen gleichzeitig, damit es nicht langweilig wird. Weder für mich, noch für den Hund. Und ab und zu kommt auch mal eine komplexere Aufgabe, wie sie auch in einem Workingtest vorkommen kann. Der Hund sollte diesen Job natürlich erledigen können, gerne auch mit Hilfe. Auch ein Hund wächst an seinen Aufgaben und freut sich über seinen Erfolg.
  • Zeit: Eher oft und kurz, statt selten und lang.

Zwei Tipps hätte ich dann doch noch.

Ich führe Tagebuch. Nicht, um irgendwann Auswertungen zu machen, in welchem Zeitraum ich wie oft und wie weit Markierungen geworfen habe. Sondern um nach dem Training zu reflektieren, was ich eigentlich gemacht habe. So denke ich darüber nach, wie es gelaufen ist. War ich mit dem Ergebnis zufrieden? Was kann ich anders machen? Im Prinzip eine Hilfe für mich, nicht planlos Dummies zu werfen, sondern mich selbst immer zu hinterfragen.

Oft gehört und mittlerweile verinnerlicht. Dummyarbeit ist Teamarbeit! Manchmal sehe ich Hundeführer, die ihrem Hund ein Kommando geben und dann stoisch darauf warten, dass der Hund den Job erledigt … wie auch immer. Und ich denke „Warum hilft der dem Hund nicht?“ Natürlich soll der Hund selbständig arbeiten aber bevor eine Übung aus dem Ruder läuft, helfe ich dem Hund doch lieber. So hinterlasse ich einen positiven Eindruck, der Hund lernt, dass er sich auch auf mich verlassen kann und im optimalen Fall lernt der Hund, wie er das Problem das nächste Mal selbst lösen kann. Außerdem möchte ich den Hund ja dahin bringen, dass er die Aufgabe auf eine bestimmte Art erledigt und nicht irgendwie das Dummy bringt. Auch beim Workingtest riskiere ich lieber Punktabzug, weil ich helfe, bevor es eine Nullrunde wird, weil ich meinen Hund dumm stehen lasse. Wir sind ein Gespann, wir sind ein Team, wir arbeiten miteinander. Beim Training, beim Workingtest und auch auf der Couch 😉

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