Brut- und Setzzeit 2017

Offenbarbar für viele ein Mysterium und oft Anlass seidenes Halbwissen zu verbreiten, was eine Diskussion schnell ins Unsachliche führt und zum Streit wird. Der Hundefreund will seinen Bello immer und überall frei laufen und sich in seinem Tun nicht einschränken lassen. Der Jäger will, dass alle immer überall angeleint werden damit Ruhe im Wald ist und er waidwerken kann.

Doch was wollen Hundefreunde und Jäger wirklich?

Der Hundefreund möchte mit seinem Hund nach der dunklen ungemütlichen Jahreszeit einfach die Natur genießen. Und für seinen vierbeinigen Freund gehört auch richtig Bewegung dazu. Das geht natürlich nicht mit Leine. Der Hund soll laufen, schnüffeln und die Natur genießen. Der wahre Hundefreund möchte ganz sicher nicht, dass durch ihn oder seinen Hund Wildtiere unnötig beunruhigt werden. Schon gar nicht, dass Jungtiere durch deren Verhalten sterben.

Der Jäger möchte die Natur ebenfalls genießen. Ein Teil davon ist auch die Freude, dass die Hege so gut klappt, dass sich die Tiere vermehren. Dazu gehört auch der Schutz dieser Wildtiere und insbesondere der Jungtiere. Die Eltern sollen ungestört ihren Nachwuchs aufziehen und dieser soll möglichst wohlbehütet aufwachsen. Ganz sicher möchte der Jäger den anderen Erholungssuchenden nicht den Besuch im Wald vermiesen. Und ganz sicher wird er dem Hund auch nichts Böses wollen.

In der Natur

Die Jungen haben es zu dieser Zeit oft nicht leicht. Je nach Kalenderzeit und Wetterlage ist das Nahrungsangebot noch gering, vielleicht war der Winter auch streng. Die Elterntiere mühen sich ihren gesamten Nachwuchs so gut wie es geht zu versorgen. Doch kann es sein, dass die Nahrung nicht ausreicht und Junge geschwächt ins neue Leben gehen oder zum Teil auch verhungern.

Das Wetter spielt auch eine maßgebliche Rolle. Besonders zum Beginn des Frühjahrs ist es noch oft kalt und feucht. Das tut keinem Lebewesen gut, besonders nicht den Wildtieren und ganz besonders nicht denen, die durch ein schlechtes Nahrungsangebot geschwächt sind.

Dazu kommt noch der Druck der Prädatoren. Schnell hat sich die Krähe ein Küken oder ein junges Wildkaninchen geholt, der Fuchs schreckt auch nicht vor einem Kitz oder einem Frischling zurück.

Ganz klar, dass bei diesen Bedingungen nicht alle Jungtiere durch kommen und noch innerhalb der ersten Wochen oder Monate sterben. Wenn jetzt noch der Druck durch unkontrolliert freilaufende Hunde dazu kommt, kann sich jeder denken was passiert.

Die rechtliche Seite

Da Hunde und damit die Anleinpflicht grundsätzlich Ländersache ist, informiert Euch bitte entsprechend für Euer Bundesland. Dazu kommen noch komunale Verordnungen und weitere (bundesweite) Gesetze, die sich je nach Kontext gegenseitig beeinflussen können.

Grundsätzlich gibt es in NRW keine Anleinpflicht. Auch nicht während der Brut- und Setzzeit. Komunen können für einige Gebiete eine Leinenpflicht aussprechen, dies pauschal für Wald und Feld zu tun ist jedoch unzulässig. Daher können in Wald und Feld die Hunde ohne Leine laufen. Allerdings mit der Einschränkung, dass dies nur auf Waldwegen zulässig ist. Natürlich sind auch die Regeln von Naturschutz- und Wasserschutzgebieten zu beachten. Diese sind mit Schildern ausgewiesen auf denen sich oft ein Hinweis auf die Anleinpflicht befindet. Soweit komprimiert die Rechtslage, natürlich ohne Anspruch auf absolute Rechtssicherheit 😉

Was tun?

Nun, zum einen sollten Landesjagdverbände, Kreisjägerschaften oder Revierinhaber damit aufhören eigene Regeln aufzustellen und dem Waldbesucher Pflichten aufzuerlegen, die jeder gesetzlichen Grundlage entbehren. Zudem macht es keinen guten Eindruck oberlehrerhaft und mit einer gewissen Agressivität aufzutreten. Die Schilderung der Sachlage mit der Bitte diese zu berücksichtigen wird in den meisten Fällen mehr helfen. Das gepaart mit dem Verständnis für das Bewegungsbedürfnis vom Hund und der Einsicht, dass der Wald nicht dem Jäger allein gehört, kommt ganz sicher gut an.

Zum anderen sollten Hundehalter wissen wie ihr Vierbeiner tickt. Wenn der Hund kontrollierbar ist und nicht tief ins Gelände geht, steht einem Freilauf sicher nichts im Wege. Jedoch ist es bei den meisten nicht so. Der Hund „überrascht“ sein Herrchen/Frauchen auf einmal mit Jagdtrieb, der bei allen Hunden tief verwurzelt ist und bei vielen unkontrolliert ausbricht. Auch bei Sofa-Schmuse-Tut-Nix Hunden. In der Brut- und Setzzeit kann dies den Tod von Jungtieren bedeuten. Wer sich seiner Sache oder besser seines Hundes nicht wirklich sicher ist, löst das Problem einfach dadurch, dass er in Wald und Feld seinen Hund an die Leine nimmt.

Für Dummywerfer

Gerade wir aus dem Bereich der Dummyarbeit sollten Verständis haben. Denn letztlich kommen ja Dummytraining und Workingtests ursprünglich aus dem jagdlichen Bereich. Zur Ausbildung gehört natürlich auch die Standruhe, die ja nichts anderes ist als Impulskontrolle. Dazu kommt noch die Abrufbarkeit, die zuverlässig sein sollte. Ein Spaziergang mit unseren Dummyarbeitern durch den Wald sollte demnach kein Problem sein. Aber wir möchten natürlich auch trainieren. Trainiert nur auf „sicherem“ Gebiet. Ist es unübersichtlich, kontrolliert es vorher. Sprecht mit Revierpächtern über ein mögliches Übungsgelände. Seid Ihr Euch nicht sicher, lasst es und verlegt Euer Training ausnahmsweise mal in den Park.

Fazit

Letztlich läuft es auf eines heraus: Hunde während der Brut- und Setzzeit in entsprechenden Geländen anzuleinen ist eine Bitte der Jäger, welche der Hundehalter aus Rücksicht auf die Natur nachkommen sollte.

Begegnen sich beide im Gelände, liegt das daran, dass beide zum gleichen Zeitpunkt die Natur genießen wollen. Dies noch garniert mit einem freundlichen Gespräch, bei dem man sich über die Schönheit der Natur austauschen kann, lässt den Spaziergang oder die Revierbegehung zu einer schönen Erinnerung werden. Schön, oder?
Unter diesem Link hat der LJV NRW die Regeln gut zusammengefasst.

Einen Download als PDF gibt es dazu auch.

 

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